Ich kann das alleine!

Nein, ich lasse mir nicht helfen: Jeder will alles alleine machen. Fremde Hilfe ist ein deutliches Zeichen von Schwäche und deshalb gilt es ein Problem selbst zu lösen. Kein Wunder, denn die heutige Erziehung prägt Menschen diese Werte ein. Frauen sind emanzipiert und wollen alleine ihr Geld verdienen. Ein schönes Leben muss auch ohne Mann möglich sein und danach wird gehandelt. Dabei bleibt natürlich die Abhängigkeit auf der Strecke, alle möchten selbstständig sein. Wer sich von anderen Menschen helfen lässt, gilt als eine Person, die nichts auf die Reihe bekommt. Schön gestaltete TV-Möbel werden gleich als Freizeitbeschäftigung interpretiert. Jemand der viel Hilfe benötigt, hat auch keine gute Arbeit. Er schaut den ganzen Tag nur Fernsehen und bezieht Sozialgelder.

Solche Geschichten existieren von Menschen, die gerne Hilfe in Anspruch nehmen. Dabei ist es völlig natürlich, Experten zu fragen. Große Firmen engagieren Unternehmensberaten, die neue Aspekte in einen Betrieb bringen. Gemeinsam wird versucht, eine Lösung zu erarbeiten, damit das Problem endlich beseitigt wird. Dieser Geist hat sich in Familien leider noch nicht etabliert. Zwar ist es wichtig, wenn ein Kind lernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Doch wenn es in die Schule geht, sollten die Eltern für eine ausgezeichnete Ausbildung sorgen.

Vom Märchen des Selbstbewusstseins

Die meisten Menschen lassen sich nicht helfen, um nicht als Weichei dazustehen. Wer etwas selbst nicht schafft, ist für die Gesellschaft ein schwaches Glied. Eine Frau die keinen Schrank montieren kann, gilt als nicht emanzipiert. Sie nutzt gnadenlos Männer aus und hat schnell einen schlechten Ruf in ihrem Dorf. In der Großstadt sieht das anders aus, sofort ist bei dem Problem ein Gentleman zur Stelle. Nur ein hohes Selbstbewusstsein erlaubt es einer Person, alle Dinge selbst zu erledigen. Wer nicht über genügend Würde verfügt, lässt Aufgaben für sich erledigen. Dieses Märchen ist weit verbreitet und verleitet einen Betroffenen zu falschem Stolz.

Es wirkt sogar eher lächerlich, wenn eine kleine und zierliche Frau versucht, schwere Schränke zu schleppen. In der Industrie wird Hilfe ohne großes Murren in Anspruch genommen. Es wird ganz modern als Teamwork bezeichnet. Die Fähigkeit Aufgaben einzuteilen, gilt als entscheidendes Einstellungskriterium. Nur wer mit anderen Menschen gut arbeiten kann, findet heute einen Job. Einzelkämpfer sind nicht mehr gefragt, es zählen Personen, die gut miteinander umgehen können. Mit viel Selbstbewusstsein lassen sich knifflige Probleme lösen, doch es sollte nicht im Weg stehen. Ansonsten wird es als Arroganz interpretiert und dies ist keine positive Eigenschaft. Solche Menschen strahlen schlechte Laune aus und halten sich für etwas Besseres. Individuen mit denen sich keiner freiwillig umgeben will.

Falscher Stolz

Wer fremde Hilfe ablehnt, weil er zu stolz dazu ist, gefährdet mit diesem Verhalten nicht nur sich selbst. In einem Unternehmen können auch andere Personen davon betroffen sein. Entscheidungsprozesse werden behindert und Projekte verschlingen mehr Zeit. Beide Vorgänge kosten viel Geld, die ohne einen falschen Stolz gar nicht erst aufgetreten wären.

Wer in seinem Leben etwas erreichen will, sollte sich auch von anderen Menschen einiges abschauen. Keiner ist perfekt, auch wenn er sich selbst dafür hält. Während eine Person besser rechnen kann, beherrscht eine andere die Dichtkunst ausgezeichnet. Jeder hat seine Fähigkeiten, die er gewinnbringend einsetzen sollte. In einem Team funktioniert das am besten, ein Rädchen ergänzt das andere.

Doch das Einzelkämpfertum hat nicht nur Nachteile. Wer ein Problem immer erst zuerst selbst lösen will, kommt im Leben besser klar. Er kann Probleme leichter bewältigen und sieht zu einer Frage mehrere Lösungen. Ein Mensch der stets auf die Hilfe von anderen angewiesen ist, muss sich erst die Meinung derer einholen. Er kann sich nur sehr schwer entscheiden und handelt unentschlossen. Der Einzelkämpfer liebt das Risiko und kann sich besser im Alltag durchbeißen.