Gymnasium - nicht so toll wie alle denken!
Erinnern Sie sich noch an dieses tolle Gefühl, als Sie zusammen mit ihren Freunden den Schulabschluss gefeiert haben? Man hatte zusammen gebüffelt, geschummelt, gequatscht und die Lehrer genervt und dann war man frei und die geliebten Freunde verteilten sich in alle Himmelsrichtungen und man vermisst sie schmerzlich. Wie schön, dass die Gymnasiasten von heute so etwas nicht mehr durchmachen müssen. Denn so etwas wie eine geschlossene Gemeinschaft kennen die nicht mehr. Da heißt es jeder gegen jeden.
Zehn Jahre lang besuchte ich eine Gesamtschule. Größere Zwischenfälle: keine. Mobbing: wenig. Als Jahrgangsbeste mit Brille und Pferdeschwanz und ohne weibliche Rundungen war das aber vorprogrammiert und wurde aufgrund fehlender Resonanz schnell wieder eingestellt. Der Abschluss wurde dem Gemeinschaftsgefühl gemäß mit Vertretern aller Klassen zusammen gefeiert. Es freute die Anwohner zwar nicht, dass da dreißig Jugendliche am Ufer des Flusses sitzen und laut lachen und Musik hören, aber es kommt schließlich nicht alle Tage vor, dass man die Schule verlässt. Ich war nicht die Einzige, die auf ein Gymnasium wechselte, um das Abitur zu machen, aber ich war die Einzige auf diesem Gymnasium. Man sollte meinen, dass dies einen sozialen Aufschwung bringen sollte. Weit gefehlt.
Auf dem Gymnasium traf ich viele bekannte Gesichter aus der Grundschule, doch die schienen mich nicht zu erkennen. Klar, die ganzen Gesichts-OP's und so. Doch nicht nur das fiel auf. Von der Gesamtschule war ich eine Schülervertretung gewohnt, die ständig alle informierte über anstehende Ereignisse. Zwei Jahre war ich selbst Schulsprecherin gewesen. Doch hier schien die ganze Politik fern vom "Volk" zu geschehen. Ich weiß bis heute nicht, wer Jahrgangssprecher war. Auch den Zusammenhalt einer Klasse konnte man nicht spüren. Unterschiedliche Stundenpläne war ich schon gewohnt, doch in gemeinsamen Fächern saß man dann wenigsten zusammen und quatschte. Dies geschah hier auch. Jedoch wurde immer über die Person gesprochen, die gerade nicht im Raum war, bzw. diesen gerade verlassen hatte. Hätte ich damals gewusst, dass es eine Internetseite gibt, auf der man Lästereien niederschreiben kann, ich hätte den Server überlastet mit allem, was ich hörte. Denn meine Anwesenheit war den meisten egal. Da ich nie viel für Lästern übrig hatte hielt ich mich raus und wurde daraufhin unsichtbar. Ich überlegte das Abitur abzubrechen, da ich nicht verstehen konnte, wie Menschen meines Alters sich so unsozial Verhalten können. Die Lehrer wollten mich in dieser Entscheidung bestärken, schließlich würde eine Gesamtschülerin ja kaum den Anforderungen gerecht werden. Nachdem auch noch psychosomatische Beschwerden dazukamen, war ich meines Abgangs so gut wie sicher.
Doch aufgrund der Unterstützung meiner Freunde von der alten Schule und meiner Familie, blieb ich. Dass ich bessere Noten schrieb als die Gymnasiasten, die schon seit der 7. Klasse auf der Schule waren, machte mich nicht wirklich beliebter. Ein weiteres einschneidendes Erlebnis überzeugte mich dann voll und ganz von der Arroganz der Gymnasiasten. Die Mathelehrerin war mal wieder spät dran und der Angeber des Kurses schlug vor, dass alle schwänzen. Aufgrund meiner mangelnden Begeisterung für die Anwesenheit dieser Menschen, nahm ich den Vorschlag an und ging. Am nächsten Morgen, in einem anderen Fach, wurde ich von einer Schülerin angesprochen, wieso ich nicht wiedergekommen bin. Naja, weil schwänzen nicht "Nur-zehn-Minuten-verstecken-und-dann-doch-wieder-reingehen" heißt? Alle Schüler waren in den Unterricht zurückgekehrt, als die Lehrerin kam. Bis auf mich. Ich ließ mir von meinen Eltern eine Entschuldigung wegen Magenschmerzen schreiben und schrieb die Mitschüler endgültig ab.