Bloß schnell erwachsen werden!

Es ist wirklich grausam, dass man immer das will, was man nicht haben kann. Die jungen Berufstätigen in ihren 20ern und 30ern sehnen sich verzweifelt nach der unkomplizierten Jugend zurück und bilden eine ganz neue Gruppierung: Kidults! Ein Zusammenwurf der englischen Wörter für Kind und Erwachsener (Kid + Adult). Sie schauen mit Freunden Sendungen und Filme aus ihrer Kindheit, hören alte Hörspiele und kaufen heimlich T-Shirts mit dem Krümelmonster darauf. Doch während wir in die eine Richtung laufen, laufen die, die wir beneiden, uns mit rasender Geschwindigkeit entgegen. Jugendliche wollen immer schneller erwachsen werden. Und wir stehen daneben und fragen: Wieso denn nur?

Einem Jugendlichen sein Alter anzusehen wird immer schwieriger. Mal von der Körpergröße abgesehen, kann man nur wenige Anhaltspunkte nutzen. Bei Mädchen schaut man, wie kindlich rund das Gesicht noch ist und wie flach der Oberkörper. Bei Jungs schaut man auf den Adamsapfel und den Bartansatz. Doch in Zeiten von Size Zero, Push-Ups und metrosexuellem Babyface ist auch das nicht mehr sonderlich hilfreich. Bei den Mädchen fällt es besonders auf, dass sie die Mode der Erwachsenen kopieren. Gut, das schwedische Modehaus macht es auch ziemlich leicht, schließlich sehen die Kleidungsstücke dort seit zwei Jahren aus, als würde man nur noch Sekretärinnen der 70er Jahre ausstatten. Doch müssen sie sich dazu noch kiloweise Make-Up ins Gesicht schmieren? Gerade in dieser Zeit der Hormonumstellung spielt die Haut schon von allein "Happy Living", da muss man sie nicht noch mit Kosmetika überstrapazieren. Und hohe Absätze in Verbindung mit einer Handtasche, die immer im angewinkeltem Arm hängt? Die Wirbelsäule schickt dann in zwanzig Jahren die Rechnung und es wird nicht billig!

Natürlich hat das Aussehen wir ein Erwachsener auch den Sinn, wie einer behandelt zu werden. Immerhin sind die Jugendlichen von heute ja viel klüger und erfahrener als wir es damals waren. Sicher, dass denkt jede Generation von sich. Doch leider stimmt das nicht. Sollten Sie einen Möchtegern-Erwachsenen zu Hause haben, bieten Sie ihm die Behandlung wie ein Erwachsener an. Unterkunft und Verpflegung, sowie die Dienste der Reinigungskraft (Sie) sollen dann aber bitte auch bezahlt werden. Mal sehen wie schnell sich das Kind wiederfindet und eine Dankeskarte an das kostenlose Hotel Mama schreibt. Auch ein schönes Beispiel zeigt eine Küchenmöbelwerbung, in der eine 15-jährige durch das versuchte Knallen mit Schranktüren und Aufstampfen mit dem Fuß ihre Eltern überzeugen will, sie auf ein Festival zu lassen. Ehrlich? Mit dem Fuß stampfen und Türen knallen? Wenn sie nicht einmal reif genug ist, um sachlich zu argumentieren, dann würde ich sie auch nicht auf ein Festival lassen.

Ein weiterer trauriger Punkt ist die mangelnde Bildung der Jugendlichen. Sie glauben zwar die Welt zu kennen, können aber noch nicht einmal sagen, wie viele Bundesländer ihr Heimatland hat, geschweige denn wie sich "als" und "wie" unterscheiden. Erschreckende Ergebnisse einer Studie: 8% eines Jahrgang machen nicht einmal den Hauptschulabschluss, nur 18% erwerben die Hochschulreife. Da sind dann unfreiwillig komische Beleidigungen unter den Schülern nachvollziehbar: "Wäre Napoleon so blöd wie du, hätte er niemals Amerika entdeckt!". Touché.